Montag 23 Februar 2026, 11:00

Neue Meilensteine des afghanischen Frauenflüchtlingsteams

  • Erstes Trainingslager des afghanischen Frauenflüchtlingsteams in diesem Jahr

  • Gründung des Teams Teil der FIFA-Aktionsstrategie für den afghanischen Frauenfussball

  • Von der Schottin Pauline Hamill trainiertes Team Dritter bei der ersten FIFA Unites: Women’s Series™ im Oktober und November 2025 in Marokko

Nach ihren ersten Spielen bei der FIFA Unites: Women’s Series 2025™ hat das afghanische Frauenflüchtlingsteam, das von der FIFA finanziert und von der ehemaligen schottischen Nationalspielerin Pauline Hamill trainiert wird, einen weiteren grossen Schritt vorwärts gemacht. Nachdem im letzten Jahr die Auswahl des Kaders im Zentrum stand, geht es nun darum, für die Spielerinnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich im Profifussball und auf internationaler Ebene profilieren können.

Die überaus erfahrene Hamill, ihre Assistenztrainer sowie das Gesundheits-, Fitness und Hilfspersonal führten vom 9. bis 12. Februar in Zusammenarbeit mit dem Doncaster Rovers FC das erste Trainingslager des Jahres in Doncaster (England) durch.

„In der ersten Phase haben wir die afghanischen Spielerinnen identifiziert und unterstützt, die 2021 vertrieben wurden, um ein sicheres Umfeld zu schaffen, in dem sie internationale Spiele bestreiten und ihre Geschichten erzählen können“, sagte Hamill zur ersten Phase des wegweisenden Projekts.

„Nun wollen wir jeder Spielerin rund um die Welt massgeschneiderte Unterstützung bieten, das Wettkampfumfeld verbessern und mit einer grösseren Gruppe einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Die Spielerinnen erhalten Fernunterricht und nehmen an regionalen Trainingslagern teil, damit wir ihr Leistungsniveau überwachen können. Wir werden dann das Team für die beiden Spiele im Juni auswählen.“

Bei den regionalen Trainingslagern sollen die Spielerinnen an die Erfahrungen anknüpfen, die sie bei der ersten FIFA Unites: Women’s Series™ im Oktober und November 2025 in Berrechid in Marokko sammeln konnten. Mithilfe von Datenanalysen, Leistungstests und gezieltem Coaching sollen die Fitness, die Ballfertigkeiten und das taktische Verständnis gefördert werden.

„Das Team und der Betreuerstab setzen alles daran, sich bis zu den nächsten Länderspielen im Juni weiter zu verbessern. Bis dahin sollen alle Spielerinnen ihre Ziele in den Bereichen Technik, Taktik, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Geschicklichkeit erreichen. Viele unserer Spielerinnen spielen jetzt für Klubs, wo sie im Training und bei Spielen vor grossen Herausforderungen stehen“, erklärte Hamill.

Afghan Women United Training Camp in Doncaster

„Nach dem Turnier in Marokko ist diese neuerliche Zusammenkunft in Grossbritannien etwas ganz Besonderes. Die Gruppe ist seit dem Turnier wirklich gewachsen. Alle sind auf und neben dem Platz konzentrierter, professioneller und selbstbewusster. Wir verstehen uns alle besser als Spielerinnen und funktionieren so besser als Team. Die Standards sind höher und die Erwartungen klar. Das treibt uns an, jeden Tag besser zu werden“, sagte Elaha Safdari, die im Nationalteam und bei den Doncaster Rovers Belles das Tor hütet.

Die Torhüterin äusserte sich auch zur Bedeutung des Programms neben dem Spielfeld.

„Wir nutzen den Fussball als Sprachrohr für afghanische Frauen und Mädchen, die keinen Zugang zu grundlegenden Menschenrechten haben. Wir spielen nicht nur für uns selbst, sondern auch für sie. Ich bin dankbar für diese Gelegenheit und für alles, was die FIFA für uns tut. Das bedeutet uns sehr viel. Wir werden weiterhin alles unternehmen, um diese Chance bestmöglich zu nutzen und dafür zu sorgen, dass unsere Familien und Mitmenschen stolz auf uns sind.“

Das Trainingslager in Doncaster war die erste von mehreren geplanten Zusammenkünften im Rennen um einen Platz im 23-köpfigen Kader für die beiden Länderspiele, die im Juni-Fenster des internationalen Frauenfussballkalenders 2026–2029 ausgetragen werden. Informationen zu diesen Partien werden in den kommenden Monaten veröffentlicht.

Afghan Women United Training Camp in Doncaster

Mit der Aktionsstrategie für den afghanischen Frauenfussball, die vom FIFA-Rat im Mai 2025 verabschiedet wurde, engagiert sich die FIFA für das Wohl afghanischer Frauen und bietet ihnen mehr Möglichkeiten zur Teilnahme am Fussball. Die wegweisende Initiative berücksichtigt die Vorgeschichte, die Bedürfnisse und die Herausforderungen der einzelnen Spielerinnen. Obschon die Anforderungen an die Spielerinnen mit dem Start des Hochleistungsprogramms gestiegen sind, haben ihre Sicherheit und Würde weiterhin oberste Priorität.

Ab diesem Jahr wird das Programm durch ein von der FIFA geleitetes dreiteiliges Unterstützungspaket ergänzt, das auf die individuellen Bedürfnisse von fast 90 Spielerinnen eingeht. Die materielle Unterstützung umfasst die Fussballausrüstung sowie die Übernahme der Klubbeiträge und Registrierungsgebühren für bis zu zwei Jahre. Die Spielerinnen werden zudem mit Klubs in ihrer Region vernetzt, erhalten einen massgeschneiderten Kraft- und Konditionstrainingsplan sowie Tipps von Fussballtrainern und Mentoren.

Im Bildungsbereich erhalten die Spielerinnen die Möglichkeit, sich für Trainer- und Schiedsrichterkurse anzumelden, und können an Mentoringprogrammen des US-amerikanischen Fussballverbands teilnehmen. Des Weiteren haben sie Zugang zu Lernmaterial, einschliesslich des FIFA-Ausbildungszentrums und LinkedIn Learning, und können das 18-monatige FIFA-Guardians-Kinderschutz-Sportdiplom absolvieren.

Im Bereich Wohlbefinden erhalten die Spielerinnen Zugang zu entsprechenden Beratungsprogrammen, Onlinesprachkursen und dem FIFA-Dienst zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien.

Jeder Spielerin wird ein FIFA-Betreuer zugewiesen, der ihr bei der Umsetzung des Unterstützungspakets hilft, damit sich alle Spielerinnen des afghanischen Frauenflüchtlingsteams entfalten und ihr Potenzial ausschöpfen können.

Diese bahnbrechende Initiative, die den Spielerinnen des afghanischen Frauenflüchtlingsteams nach fast vierjähriger Abwesenheit wieder eine internationale Bühne bietet, hat im letzten Jahr mit Sichtungscamps in England und Australien begonnen. Mit ihrem Stab hat Hamill etwa 70 Spielerinnen beobachtet und anschliessend für die erste Ausgabe der FIFA United: Women‘s Series™ in Berrechid 23 Spielerinnen aufgeboten. Bei diesem Freundschaftsturnier mit insgesamt vier Teams traf das afghanische Frauenflüchtlingsteam auf Libyen, Tschad und Tunesien.

Nach zwei knappen Niederlagen gegen Tschad und Tunesien zum Auftakt meldete sich Hamills Team im dritten Spiel mit einem 7:0 gegen Libyen eindrucksvoll zurück. Dank dem Sieg belegten die Afghaninnen schliesslich Rang drei. Nach dem beschwerlichen und mutigen Weg von Afghanistan in ihre neuen Heimatländer und weiter auf die internationale Bühne haben die Spielerinnen mit ihrem Jubel nach dem Turnier für herzerwärmende Szenen gesorgt. Die Spielerinnen verliessen Marokko mit hoch erhobenem Haupt, denn dies war erst der Anfang ihres Abenteuers.

Die FIFA-Aktionsstrategie für den afghanischen Frauenfussball mit ihren drei Pfeilern garantiert afghanischen Frauen zu Hause und im Ausland langfristige Unterstützung. Der erste und der zweite Pfeiler bieten den Frauen in Afghanistan humanitäre und logistische Hilfe sowie beratende und diplomatische Dienste im Umgang mit massgebenden Akteuren und Organisationen mit Blick auf den langfristigen Zugang zum Sport. Der dritte Pfeiler umfasst die Unterstützung von Spielerinnen ausserhalb Afghanistans sowie die Gründung des afghanischen Frauenflüchtlingsteams.

Getreu dem Leitmotiv der FIFA, die Welt mit dem Fussball zu vereinen, setzt die FIFA alles daran, allen Zugang zu diesem Sport zu bieten. Die Gründung des afghanischen Frauenflüchtlingsteams war mit einer Reihe aussergewöhnlicher rechtlicher, administrativer und logistischer Komplexitäten verbunden, und kann als durchschlagender Erfolg bezeichnet werden. Dank der Initiative haben die Spielerinnen die Chance, ihre Fussballträume weiterzuverfolgen und nun auch ihre Ambitionen im Elitefussball zu erreichen.